Tanzen
Ich habe einen großen Freundeskreis aus Musikliebhabern. Nun könnte das Klassik sein, Jazz oder aus unserer Jugend Britpop. Nein. Wir alle lieben elektronische Musik. Minimal Electro, feine treibende Sounds, die dich abtauchen lassen, dich in Wellen tragen und dich irgendwann in diese besondere Mischung aus Bewegung und Ruhe bringen. Dieses Gefühl, wenn der Körper voran geht und der Kopf still wird.
Letzten Samstag waren wir unterwegs. Es war ein bisschen wie ein Klassentreffen. Fast alle waren da – unabgesprochen. Das ist das Tolle an Musik: Sie organisiert Begegnung, ohne dass jemand etwas organisieren muss. Man taucht auf – und die anderen sind schon da.
Wir gingen durch die dicken Steinmauern, durch die Gänge, und an jeder Ecke lächelte ein bekanntes Gesicht. An der Bar stand schon jemand ganz vorn. Der Rest wie immer eher links, halb hinten. Es gibt diese stillen Verabredungen über die Jahre. Orte, an denen man sich wiederfindet, ohne darüber zu sprechen.
Umarmungen, kurze Blicke, die mehr sagen als viele Worte. Manche haben wir lange nicht gesehen. Und trotzdem ist sofort wieder Nähe da. Freundlich. Dankbar. Für die Musik. Für diesen Abend. Für das Zusammensein.
Clubleben und man lässt sich vor. Keiner rempelt. Es ist eine ruhige Selbstverständlichkeit darin, dass jede und jeder hier sein darf.
Ich stehe auf der Tanzfläche, tauche ein und sehe niemanden von uns. Schaue mich um. Eine Hand berührt zart meinem Ellbogen. Eine Freundin, die sich durch die Menge zu mir tastet. Ein Lächeln. Mehr braucht es nicht. Man hat sich im Blick.
Mal drückt man sich einfach, weil es gerade so gut ist. Dann wieder ein Plausch an der Bar. Ein paar Neuigkeiten, ein paar alte Geschichten. Und immer wieder dieses Zurück auf die Tanzfläche, das man nicht erklären muss.
Früher sind wir viel auf Festivals gewesen. Dieses Jahr fahren wir im August wieder zu einem, das zum letzten Mal stattfinden wird.
Und immer wieder kommen wir auch privat zusammen. Wir haben ein paar richtig gute DJs und DJanes im Kreis. Sie prägen unseren Sound.
Was mich berührt, ist dass diese Verbindung geblieben ist. Über Jahre. Über unterschiedliche Leben hinweg. Kinder, Jobs, Krisen, neue Wege. Und trotzdem gibt es diesen Ort, an dem alles gleichzeitig da sein darf – ohne erklärt zu werden. Ein Ort in jeder und jedem von uns. Tanzen.
In etwas mehr als drei Wochen feiern wir mit genau dieser feinen Bande - und einigen mehr - unseren 25. Hochzeitstag.
Ich kann mir keinen besseren Kreis dafür vorstellen.